Thursday, July 24, 2008

Wahlkampfwerbung die depressiv macht

I think we have already established that I live in Austria. My mother tongue is German, which I rarely use when I'm online. There are a few reasons for that, I just mainly prefer English because it is easier to me sometimes. Also, I speak a dialect in German, so writing the written German is sometimes difficult for me. But, I have decided that I will from now on sometimes post in German when the topic asks for me to stick to my roots. Sorry to the readers who don't speak German, the topics I will write about will probably be local politics and the local lgbt-scene. I hope you understand!

Für mich ist es teilweise etwas schwierig auf Deutsch zu schreiben, weil ich dass so mit Schule verbinde. Wenn ich also etwas nur für mich und zum Spaß schreiben will, so wie diesen Blog oder Fanfiction, dann mache ich das lieber auf Englisch. Außerdem gibt es gewisse Vokabel einfach nicht auf Deutsch (to come out, babydyke, butch...). Aber, da ich anscheinend einige Leser aus Österreich und Deutschland habe, werde ich mich manchmal dazu aufraffen und meine Muttersprache verwenden. Und ich werde mich bemühen dass das dann nicht zu offiziell oder hochgestochen klingt, denn so kommts mir im Moment vor.

Ich nehme mal an dass meine österreichischen Leser die HOSI kennen, falls nicht: die HOSI ist die Homosexuellen Initiative und vertritt die Rechte von Schwulen und Lesben. Ich bin Mitglied bei der HOSI in Linz und bekomme daher regelmäßig Post von der HOSI oder den Grünen Andersrum. Gestern hab ich von den Grünen Andersrum eine Wahlwerbung bekommen unter dem Titel "Lesben & Gesellschaft: Grenzen und Möglichkeiten lesbischen Lebens". Ich finde es ja schon mal total positiv dass zwischen Lesben und Schwulen unterschieden wird, da ja teilweise die Aufmerksamkeit und die Probleme differieren. In dem Folder wird beschrieben mit welchen Problemen Lesben zu kämpfen haben. Was mich etwas stutzig gemacht hat war dass die Situation ziemlich negativ dargestellt wurde. Nachdem ich alles gelesen hatte, hab ich mir gedacht: Eigentlich könnte ich mich jetzt auch gleich umbringen, so schlecht wie es um mich steht. Mir ist durchaus bewusst dass ich dadurch dass ich studiere mehr Freiheiten als andere Lesben hab und ich mich zum Beispiel nicht um Diskriminierung am Arbeitsplatz kümmern muss. Aber so schlimm wie die Situation von den Grünen dargestellt wird finde ich es nun auch wieder nicht. Immerhin ist Homosexualität in Österreich nicht strafbar und man kann hier relativ offen leben. Natürlich bin ich für eine Gleichstellung von hetero- und homosexuellen Beziehungen, auch der Ehe, aber weil es die nicht gibt muss ich nicht gleich depressiv werden.

Ich habe erst einmal gewählt, bei der Nationalratswahl 2006. Auch wenn ich lesbisch bin heißt das nicht unbedingt dass ich automatisch grün wähle. Ich gehöre nicht zu den Personen die übermäßig politisch sind, weil ich für die Politik zu emotional bin und dieses Thema einfach sehr oft zu Streitigkeiten führt. Ich bin sehr froh und dankbar dass sich die Grünen für unsere Rechte einsetzen, aber meiner Meinung nach haben sie mit diesem Folder etwas übers Ziel hinausgeschossen. Mich hat auch gestört dass in dem Folder davon gesprochen wird, dass Lesben sich verbergen und "Heteras" spielen. Meiner Meinung nach besteht ein Unterschied dazwischen ob ich mit meinen Arbeitskollegen mein Privatleben bespreche oder ob ich vorgebe, einen Freund zu haben und hetero zu sein. Dieser Satz wirft für mich die Frage auf: Wer hat diesen Folder geschrieben? Vorwürfe machen ist nämlich gerade nicht nett oder hilfreich!! Reagiere ich über oder haben die Grünen übers Ziel geschossen? Den Folder kann man hier herunterladen.

6 comments:

V. said...

Hm. Habe mir den Folder heruntergeladen und muss sagen, dass er zumindest ansatzweise recht hat. Damit beziehe ich mich nicht auf die Situation in Österreich, sondern spreche erst einmal generell. Ich finde es gut und richtig, auf Missstände hinzuweisen, allerdings sollte man aufpassen, in welcher Weise das geschieht... immerhin gibt es einen Unterschied zwischen Breittreten von Problemen und vernünftiger Diskussion. Was die Inhalte bzw. die einzelnen Absätze betrifft, stimme ich sogar zu (v.a. "Totschweigen und Diskriminierung" usw.), da ich dort selbst auch Erfahrungen gemacht habe. Allerdings bin ich der Meinung, dass es sehr wohl einen Unterschied zwischen mehr und weniger "aufgeklärten" Bereichen gibt. Meinen bisherigen Erfahrungen nach scheinen Menschen mit umfassenderer Bildung "aufgeklärter" und toleranter zu sein. In der Hinsicht halte ich den Folder z.B. für schwarzmalerisch, fast reißerisch irgendwie.
Vielleicht hilft aber eine drastische Darstellung insofern, dass sie andere auf bestehende Probleme aufmerksam macht.
Nja, lange Rede, wenig Sinn. Ich teile übrigens deine Vorliebe für die englische Sprache.. nicht nur wegen der schönen Wortspiele in der lesbischen Terminologie *hust XD*, sondern auch, weil sie kürzer und prägnanter Dinge beschreibt, für die man (oder zumindest ich, dank meiner umständlichen Ausdrucksweise) im Deutschen unglaublich lange Sätze schreiben müsste. Dieser Kommentar ist auch ein Opfer dieses Problems. o_O XD

Nelfy said...

Auf Deutsch braucht man für alles immer so viele Worte, im Englischen kommt man viel schneller auf den Punkt! Da hast du total recht, deutsch ist einfach kompliziert.

Ich finde nicht dass der gesamte Folder schlecht ist, aber mir ist es einfach zu reißerisch, so wie du sagst.

helene said...

So, ich habe mir den Folder auch gerade durchgelesen und muss sagen, dass die Grünen damit (leider) schon teilweise recht haben. Allerdings beschränkt er sich sehr auf die "Grenzen lesbischen Lebens", die "Möglichkeiten" kommen kaum vor, und er hinterlässt so tatsächlich einen zu negativen Eindruck. Wie v. schon gesagt hat, ist Diskriminierung bzw. Akzeptanz wohl doch sehr milieuspezifisch. Mit jüngeren, gebildeten Menschen im urbaneren Umfeld hat man wohl kaum Probleme, während ältere Traditionalisten am Land "das" eben höchstens von der Barbara-Karlich-Show kennen. Ich bezweifle aber sehr, dass diese den Folder in die Hände bekommen... aber sowohl für diese als auch "unsereins" als Zielgruppe ist er nun wirklich nicht optimal formuliert.
Dennoch hat mich das grad zum Nachdenken angeregt... wegen der "Sichtbarkeit": bekannte, lesbische Frauen in Österreich? Die einzigen die mir jetzt dazu einfallen sind eben Ulrike Lunacek und die Vizebürgermeisterin(?) von Graz - gibts da echt nicht mehr???

Nelfy said...

Das stimmt. Es gibt keine bekannten Lesben, von den Politikerinnen wissen vermutlich auch nur Lesben und sehr Politik-interessierte dass sie lesbisch sind. Hingegen gibt es zwei ziemlich bekannte Schwule: Gery Keszler und Alfons Haider. Das finde ich total schade, weil wie ich jünger war kannte ich Ulrike Lunacek nicht und da gab es für mich in Österreich überhaupt keine "Vorbilder". Deshalb habe ich mich auch so für amerikanische Stars interessiert, zb ellen oder melissa. In Deutschland gibt es auch sehr wenige bekannte Lesben die auch mit ihrem Privatleben etwas in der Öffentlichkeit stehen.

helene said...

Sehr schade, find ich auch... Also kann sich bitte jemand outen? BITTE!? *lol*
Ja, zum Glück gibts das Internet, das uns mit diesen "Infos" über amerikanische Stars versorgt... sonst würde man sich tatsächlich etwas einsam vorkommen...

-v. said...

In punkto Sichtbarkeit fallen mir außer Anne Will, Miriam Meckel und Karin Wolff leider auch kaum noch Leute aus dem deutschsprachigen Raum ein (in Österreich kenne ich mich leider gar nicht aus)... soweit zur "Sichtbarkeit". Ich stimme helene übrigens auch darin zu, dass der Folder auf die anfangs erwähnten "Möglichkeiten" kaum eingeht.